Mehr Wumm
für unsere Orgel!
Der Orgel in der Marktkirche geht die Puste aus. Manchmal pfeift sie
aus dem letzten Loch. Aufmerksamen Gottesdienstbesuchern wird nicht entgangen
sein, daß sich in das Orgelspiel manchmal falsche Töne einmogeln. Schuld
daran sind aber nicht eventuelle "Tippfehler" des Organisten, sondern
die Tatsache, daß bestimmte Teile in der Mechanik der Orgel nicht mehr
so gut funktionieren wie am ersten Tag. Das ist ganz normal, denn die
meisten Teile einer Orgel bestehen aus natürlichen Materialien wie z.B.
Holz, Leder, Filz usw. Kein Wunder, daß irgendwann ein Teil einfach verschlissen
ist und ausgetauscht werden muß. So geschah es in letzter Zeit immer häufiger,
daß einmal ein Ton liegen blieb, obwohl der Organist die Taste schon längst
losgelassen hatte. Oder manche Töne kamen gar nicht oder sprachen zu spät
an. Bestimmte Klangfarben (Fachleute sprechen von "Registern") konnte
man gar nicht mehr verwenden, denn sobald man sie einschaltete, hörte
man sog. "Heuler" oder "Durchstecher"; d.h. Der Wind zur Pfeife, der normalerweise
durch den Tastendruck des Organisten gesteuert wird, gelangte durch eine
undichte Stelle zur Pfeife, die daraufhin erklang, ohne daß man die entsprechende
Taste spielte. Abnutzungserscheinungen gibt es auch beim Spieltisch. Die
Tastenführungen sind bei unserer Kleuker-Orgel abgenutzt; die Klaviaturen
zeigen - von der Seite betrachtet - richtige Berge und Täler. Übrigens:
Unsere Orgel ist 30 Jahre alt. Autos mit diesem Alter stehen längst im
Museum.
Orgelsound läßt erzittern
Eine andere Unzulänglichkeit unserer Orgel ist, daß ihr trotz ihrer großen
klanglichen Vielfalt in der Tiefe die Basis fehlt. Dem Klang fehlt gewissermaßen
das Fundament. Einen Orgelsound, der auch einmal die Empore zum Erzittern
bringen kann, konnten wir in der Marktkirche bisher nicht erleben. Auch
Gastorganisten, die in unserer Kirche Konzerte spielten, wunderten sich
immer, daß unser großes Instrument nur einen "schmalen" Klang hat. Unsere
Gemeindeglieder haben sich im Lauf der Jahre an diesen "dünnen" Sound
gewöhnt. Die Orgel könnte aber besser klingen; d.h. einfach voller, also
mit mehr "Wumm". Die Orgel in unserer Marktkirche wird regelmäßig von
einer Orgelbaufirma gewartet. Zweimal im Jahr kommt darum ein Orgelbauer
in unsere Marktkirche, stimmt einzelne Pfeifen nach, reguliert die Mechanik
(in der Orgelfachsprache: Traktur) und repariert kleinere Schäden. Alle
zwei Jahre stimmt er sämtliche Pfeifen der Orgel. Das sind immerhin 2.686
Stück; die kleinste Pfeife ist wenige Zentimeter lang, die größte 5 Meter.
Überholung in Teilschritten
Aber nun steht eine grundlegende Sanierung an, die die Mängel beseitigen
und gleichzeitig den Klang der Orgel verbessern soll. Konzeptionsfehler
beim Bau der Orgel vor 30 Jahren und die oben beschriebenen Verschleißerscheinungen
sollen endlich beseitigt werden. Diese Grundsanierung kostet 40.000,-
DM. Und natürlich haben wir dafür kaum Geld. So werden wir die Überholung
der Orgel in Teilschritten angehen. Für dieses Jahr ist die Umintonation
einzelner Pedalregister vorgesehen. Dadurch wird die Orgel endlich fülliger
klingen.
Orgelbauer schlugen ihr Lager auf
Im Juli waren die Orgelbauer Kampherm und Steinecke eine ganze Woche
lang damit beschäftigt, die tiefen Pedalpfeifen zu "tunen", d.h. im Klang
kräftiger zu machen. Die schwache und zögerliche Tonansprache einzelner
Pedalpfeifen wurde dabei auch korrigiert. Der Winddruck wurde erhöht,
einzelne Kondukte (Röhren, durch die die Pfeifen den Wind bekommen) wurden
gegen größere ausgetauscht. Die Stockbohrungen (die Löcher, auf denen
die Pfeifen stehen und durch die sie den Wind erhalten) mußten ebenfalls
vergrößert werden. Der Aufschnitt der Pfeifen wurde erweitert (Eine Orgelpfeife
funktioniert wie ein Blockflöte. Am Kopf jeder Blockflöte gibt es eine
Öffnung, an der sich die Luft bricht. Diese rechteckige Öffnung nennt
man "Aufschnitt"). Und für eine bessere Tonansprache wurden "Bärte" an
manche Pfeifen angelötet .
Die Orgel bekam durch diese Maßnahmen endlich mehr PS. In dieser Woche
glich die Empore einem Heerlager: Überall standen exotische Werkzeuge.
Auf der Pedalklaviatur wurde ein sogenannter "Orgamat" befestigt: Ein
Gerät, das auf Knopfdruck einzelne Pedaltasten niederdrückt. Die Orgelbauer
selbst arbeiten ja an den Pfeifen innerhalb der Orgel. Es wäre sehr umständlich,
nach dem Stimmen einer einzelnen Pfeife aus der Orgel herauszuklettern,
um ein Gewicht auf die Taste der nächsten zu stimmenden Pfeife zu legen.
Das erledigt der "Orgamat", den man bequem per Funksteuerung aus der Orgel
heraus bedienen kann.
Tausend kleine Schrauben
Nun ist der erste Teilschritt der Orgelsanierung abgeschlossen. Dabei
ging es um die Beseitigung der hörbaren Mängel.
In den nächsten drei Jahren sollen die mechanischen Mängel in der Orgel
beseitigt werden. Es steht dann die Überholung des Spieltisches und der
Pedalklaviatur an, Teile der Spieltraktur müssen ausgetauscht werden.
Die Traktur ist die mechanische Verbindung zwischen Tasten und den Pfeifenventilen,
sie besteht aus unzähligen Drähten, hölzernen Wippen, kleinen Winkeln,
Aluminiumstäben und aus Tausenden kleinen Filzplättchen und Schrauben,
die beim Orgelspiel bewegt werden.
Spenden werden gebraucht
In Jahr 1997 feierte die Kleuker-Orgel ihren 30. Geburtstag. Grund genug,
ihr zu einer besseren "Gesundheit" zu verhelfen. Zur Deckung der Reparaturkosten
für den ersten Teilschritt schlägt die Gemeinde verschiedene Wege gleichzeitig
ein:
- Umwidmung einer Summe, die ursprünglich für ein Oratorienkonzert
vorgesehen war.
- Die "Sommerlichen Orgelkonzerte" fanden als Benefiz-Veranstaltungen
statt; d.h. alle Künstler spielen ohne Gage. Die Eintrittsgelder kamen
in voller Höhe der Orgelrenovierung zugute.
- Eine monatliche Klingelbeutelkollekte brachte den Rest der für 1997
benötigten Summe ein: Immer am 4. Sonntag im Monat sammelten wir darum
im Gottesdienst für den Erhalt unserer Kleuker-Orgel.
- Einzelspenden sind natürlich möglich und auch weiterhin erwünscht.
Wenn Sie einen Betrag überweisen wollen, tun Sie das bitte zugunsten
des Kontos 60004 (Rentamt Neuwied) bei der Sparkasse Neuwied (BLZ 574
501 20); Stichwort MARKTKIRCHE ORGEL. Für diese Form der Unterstützung
sind wir besonders dankbar. Spendenquittungen werden auf Wunsch ausgestellt.
Thomas Schmidt
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