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Musik zur Besinnung und zum Innehalten
Konzert mit Thomas Schmidt und Mechthild Palberg in der Neuwieder
Marktkirche: Tod und Ewigkeit
Von Herbert Kutscher
NEUWIED. Thomas Schmidt, noch vor Wochenfrist exzellenter Chor-
und Orchesterdirigent der "Carmina Burana", nun in seinem anderen
musikalischen Metier - als Organist an "seiner" Kleuker-Orgel in
der Neuwieder Marktkirche. Schmerzlich vermisst hatte man in diesem
Jahr seine "spätsommerlichen Orgelkonzerte". Dafür stand nun dieses
gemeinsame Konzert mit Mechthild Palberg (Alt), zwei Tage vor Ewigkeitssonntag,
unter dem gewichtigen jahreszeitlichen Motto "Musik zu Tod und Ewigkeit".
Und es war wie immer, wenn Thomas Schmidt etwas musikalisch "anpackt".
Heraus kommt hochsensible Musik, tief empfundene neunzig Konzertminuten,
dem Motto hochgradig nachgespürt. In schöner, gleichrangiger Harmonie
erklangen die kirchenfüllende Altstimme von Mechthild Palberg und
die "Königin der Instrumente", dabei die Orgel nicht dominant, wie
es bei der Klangfülle des Instruments durchaus möglich wäre, sondern
von Thomas Schmidt wohltuend nach der Singstimme Mechthild Palbergs
ausgerichtet.
Schlicht-berührend, dennoch eindringlich und mit schöner Stimmfülle
gestaltet die einleitenden vier Lieder aus Bachs "Schemelli-Gesangbuch",
denen Schmidt reizvoll-wechselnde Registrierungen unterlegte. Gemäßigt
modern die "Drei geistlichen Gesänge" von Günther Raphael, einem
Komponisten aus der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts, bei denen
phasenweise Orgel und Altstimme prächtig aufblühen. Einfühlsam und
getreu dem Titel in großer Ernsthaftigkeit von Orgel und Singstimme
gestaltet die "Vier ernsten Gesänge" op. 121 von Johannes Brahms.
Hier konnte Mechthild Palberg ihre kraftvolle Altstimme ganz entfalten,
den Text tief nachspürend - bis hin zur versöhnlichen Schlussbotschaft:
"Aber die Liebe ist die größte unter ihnen. . ."
In großer innerer "romantischer" Ruhe gestaltete Mechthild Palberg
mit Thomas Schmidt vier "Biblische Lieder" op. 99 von Anton Dvorák.
Zwischen die beiden Romantikern Brahms und Dvorák hatte Schmidt
eine Choralfantasie für Orgel gepackt, ein hochinteressantes, klangfurioses
Stück des zeitgenössischen Komponisten Christoph Nogay, bei dem
der Bonner Kirchenmusiker zwischen wild aufbrausenden Akkordfetzen
immer wieder zart die Choralmelodie aufklingen ließ.
Vier zarte, verinnerlichte Choralvorspiele op. 67 von Max Reger
ließ Thomas Schmidt in gewohnt meisterlicher Orgelbeherrschung ebenso
erklingen, wie die sehr intuitiv gespielten Stücke aus Bach's "Orgelbüchlein".
Eine nachdenkliche, musikalisch hochrangige Konzertstunde der beiden
Interpreten zum Totensonntag, ein Pol der Besinnung, des Innehaltens,
bevor es weihnachtlich singt und klingt in den Neuwieder Kirchen
und Konzertsälen.
Rhein-Zeitung am 29. November 2000
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