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Pinguin-Parade mit der Orgel


Vergnügliches Orgelkonzert in der Marktkirche mit Ulrich Cyganek

NEUWIED. Wen bei zunehmend rasch einfallender Dunkelheit und Abendkühle frühherbstliche Depression befällt, konnte diese beim dritten der (noch) sommerlichen Orgelkonzerte in der Marktkirche bekämpfen: Der Landeskirchenmusikdirektor der evangelischen Kirche im Rheinland, Ulrich Cyganek, praktizierte eine Stunde lang "Vergnügte Orgel".
Cyganek, der nach dem Studium der Kirchenmusik Orgel-Meisterkurse etwa bei Michael Radulescu, Jon Laukvik und Harald Vogel absolvierte, tut dies denn auch spielfreudig genug, rahmt das im Wesentlichen von Werken britischer Komponisten des 20. Jahrhunderts bestimmte Konzert französisch ein, mit Entree und Sortie, mit Ein-und Ausgang von Marcel Dupré beziehungsweise Louis-James Alfred Lefébure-Wély. Hat Duprés Werk noch etwas von der Feierlichkeit einer traditionellen Entrada, wirbelt Lefébure-Wélys Komposition turbulent und mit "kichernden" Kadenzen wie ein richtiger Kehraus.

Dazwischen serviert Cyganek mit viel Fantasie in Sachen Register- und Klangfarben Etliches, was das bedauerlicherweise zahlenmäßig kleine Publikum zwar nicht zum Kichern, aber doch zum Schmunzeln bringt. Dazu gehören die musikalischen Porträts beispielsweise, die Jean Franaix liebevoll karikierend von einigen Karmeliternonnen zeichnet, Zsolt Gárdonyis vom Zierlichen ins Jazzige driftende Mozart-Spielereien oder die Pinguin-Parade Nigel Ogdens.

Etwas gemütvoller geht's zu bei Paul Manz' unbekümmerter Bearbeitung von Beethovens "Ode an die Freude", bei der Cyganek die Kleuker-Orgel beinahe wie eine Hammond klingen lässt. Malcolm Archers "Cantilene" ist schließlich das romantische Zuckerl eines vergnüglichen, in einigen Spiritual-Improvisationen (besonders hübsch die mit Chorassoziationen spielende von "Swing low"!) sogar "beswingten" Orgelabends.
Lieselotte Sauer-Kaulbach


Rhein-Zeitung, Ausgabe Neuwied am 21.9.2004




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