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Orgelmusik aus Frankreich
Organist Christian Schmitt-Engelstadt spielte in der Marktkirche
NEUWIED."Vive la France!" hieß es beim letzten Konzert
des Orgelfestivals in der Neuwieder Marktkirche, bei dem Organist Christian
Schmitt-Engelstadt, Preisträger zahlreicher internationaler Orgelwettbewerbe,
getreu dem Motto ausschließlich Werke französischer Komponisten
im Programm hatte.
Der Künstler begann mit "Symphonie de l`Opera d`Alcide",
neun barocken, verspielt-tänzerischen Orgel-Kabinettstückchen
von Marin Marais in reizvoller "Registersprache". Da glaubte
man bei "Air de trompette" tatsächlich die Trompete klingen
zu hören. Gewichtiger ertönte das ebenfalls barocke "Offertoire
sur les grands jeux" des Marais-Zeitgenossen Nicolas de Grigny, das
sich zu imposanter Klangfülle aufschwingt. Nochmals tänzerische
Elemente bei den drei Sätzen aus der "Suite im V. Ton"
von Michel Corrette. Orgelklänge der Frühklassik, aber noch
verhaftet im barocken Stil.
Was wirklich an Klangpracht und Klangentfaltung in der Kleuker-Orgel
(und im Interpreten) steckte, zeigte Christian Schmitt-Engelstatt bei
der abschließenden "Orgel-Symphonie Nr. III fis-moll"
des Spätromantikers Louis Vierne, die den klanglichen Höhepunkt
der Konzertstunde stellte. In der Tat "maestoso" der Auftakt,
eine leise verhallende Cantilene, ein schreitendes Intermezzo als Scherzo,
ein ausgeprägtes, feinfühliges Adagio - fast wie ein Gebet -,
und ein brausendes Finale, mit virtuosem Schwung musiziert. Mit zwei Händen
auf drei Manualen und zwei Füßen im Pedal gab Schmitt-Engelstadt
vollen Einsatz. Französisch-vorweihnachtlich ("Nol")
war die erklatschte Zugabe für die Orgelfans - und dennoch hatte
man bei dem vehementen Konzertmotto "Vive la France!" vielleicht
an weitere klangprächtige Stücke von Vieme ("Carrillon")
oder noch an anderes gedacht - an Widor, Franck oder Messiaen.
Da wurde einem umso mehr bewusst, welch schwere "Orgel-Hämmer"
der junge Organist Lukas Stollhof bei seinem Marktkirchen-Konzert vor
Wochenfrist im Gepäck hatte.
Herbert Kutscher
Rhein-Zeitung, Ausgabe Neuwied am 6.10.2003
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