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Gewaltiger Klangzauber
im Zeichen der Romantik


Orgelwerke englischer und deutscher Komponisten virtuos gespielt

NEUWIED. "Romantische Orgelmusik aus England und Deutschland" stand auf dem Programm des dritten Konzertes der auch in diesem Jahr von Kreiskantor Thomas Schmidt einmal mehr mit viel Liebe zum Detail zusammengestellten Reihe "Sommerlicher Orgelkonzerte" in der Neuwieder Marktkirche.

Dieses Mal saß mit der in Bad Honnef tätigen Organistin Ulrike Schrage-Solzbacher eine Studienkollegin von Thomas Schmidt an der Kleuker-Orgel. Internationales also kam "zu Klang", Werke der Romantik und Spätromantik. In dieser Zeit schrieb man der Orgel ein anderes Klangbild zu, nicht mehr "barock-transparent", sondern orchestral gefärbt. Die "Königin der Instrumente" präsentiert sich als füllige Instrumentenimitation.

"Sie werden Zeuge des großen Klangspektrums der Kleuker-Orgel" prohezeite Thomas Schmidt in seiner Begrüßung den Zuhörern, und er hatte nicht zuviel versprochen! Ulrike Schrage-Solzbacher entfachte einen gewaltigen Klangzauber auf der glanzvoll aufblühenden Kleuker-Orgel, eine zupackende, kraftvoll, aber auch mit zarten Zwischentönen agierende Organistin, die auch vor schwierigsten Werken nicht zurückschreckt.

Aus der Regierungszeit Königin Victorias stammten die Werke wenig bekannter englischer Komponisten in der ersten Werkgruppe des Konzertes. Gewaltig aufbrausende Klänge, kaum, dass die agile Organistin am Spieltisch Platz genommen hat: Bei dem großen Chor "Grand choeur" und einem jubelnden, saftig-bunten "Alleluya" von William Faulkes, zu denen ein reizvolles "Caprice" von Cuthberg Harris und ein "Eveningsong" - ein ausdrucksvolles Abendlied - von Easthope Martin das sensible Pendant bildeten.


Spannend bis zum Schluss

Mendelssohn Bartholdys Orgelsonate Nr. 4 B-Dur,hat man selten so spannungsvoll bis in den Schlusssatz hinein musiziert gehört. Vom ersten hingefetzten Akkord an expressiv ausmusiziert dann die - untertrieben so bezeichnete - "Kleine Suite" von Frank Bridge, ein wenig bekanntes Juwel spätromantischer Orgelmusik mit einem sanft verklingenden Schlussakkord nach mächtigen Klangkaskaden.

Schließlich, folgerichtig und ganz dem Naturell der engagierten Organistin entsprechend, ein geradezu atemberaubender konzertanter Schlusspunkt: Franz Liszts großrahmiges Präludium und Fuge über das Thema B-A-C-H, eine wilde, teilweise fugierte Fantasie, in der die aus Johann Sebastian Bachs Namen gebildete Tonfolge immer wieder variiert auftaucht. Eine von der Künstlerin Ulrike Schrage-Solzbacher virtuos-brilliant und mit sichtbarer Spielfreude an der prächtigen Kleuker-Orgel inszenierte Interpretation.

Und die Zugabe toppte das noch: "Handel on the strand" - halsbrecherische Finger- und Fußarbeit, da wird einem alleine vom Zugucken schon schwindelig! "Gottlob, dass ich so etwas nicht mehr spielen muss", bemerkte der als Zuhörer anwesende "Altmeis~ter" Günter Gruschwitz, nach dieser elementaren Zugabe. Eine brilliante Orgelstunde, ein seltenes Klangerlebnis, dem man gerne eine volle Marktkirche gewünscht hätte.

Sommerliche Orgelkonzerte in der Marktkirche - ein gewichtiger Musiktupfer in Neuwieds lebendiger Konzertszene!

Herbert Kutscher




Letzte Aktualisierung: 30.12.2005 *  © Musik in der Marktkirche Neuwied 1997 - 2005
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