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Kleuker-Orgel verzauberte mit Romantik pur
Organist Johannes Quack spielte in der Neuwieder Marktkirche Werke von
Rheinberger, Schumann, Ritter und Karg-Elert
NEUWIED. Mit "Orgelmusik der Romantik" saß beim dritten
Konzert der Sommerlichen Orgelmusiken in der Neuwieder Marktkirche der
bekannte Kölner Organist der Antonius-Kirche, Johannes Quack, an
der Kleuker-Orgel. Er war dankenswerterweise für den erkrankten Ulrich
Gyganek eingesprungen.
"Über 100 Jahre umfasst - mit Früh- und Spätromantik
- die Epoche der deutschen Romantik", konstatierte Kreiskantor Thomas
Schmidt in seiner Begrüßung. Johannes Quack umspannte diesen
Zeitrahmen mit den von ihm mustergültig interpretierten romantischen
Orgelwerken von Rheinberger, Schumann, Ritter und Karg-Elert.
Prächtige romantische Klangentfaltung schon zum Einstieg mit der
Sonate Nr. 16 gis-moll von Joseph Rheinberger, an dessen 100. Todestag
die Musikwelt in diesem Jahr denkt. Ein reiches Çuvre für
Orgel hat Rheinberger hinterlassen, darunter allein 20 Sonaten in verschiedenen
Tonarten.
Die auf dem Programm stehende 16. in gis-moll entwickelt sich aus den
drei Themen des Kopfsatzes, deren letztes in der Fuge des schwelgerischen
dritten Satzes quasi wie eine "Klammer des Werkes" wiederkehrt.
Dazwischen im zweiten Satz Reminiszenzen an skandinavische Volksweisen,
den der Komponist folgerichtig und unkonventionell "Skandinavisches"
nennt.
Dann horcht man auf, denn es stehen "sechs Studien in kanonischer
Form" des Erzromantikers Robert Schumann auf dem Programm. "Schumann
und Orgel?" fragt man erstaunt - und Johannes Quack gibt die Erklärung.
Die sechs reizvollen, abwechslungsreichen Stücke, alle mit eigenem
musikalischen Charakter, schrieb Schumann eigentlich für den damals
gebräuchlichen Pedalflügel, bei dem "einige Basstöne
den Füßen anvertraut waren", ähnlich dem Orgelpedal.
Da dieses Instrument aus der Mode gekommen ist, werden diese recht dankbaren
Werke heute auf der Orgel gespielt. Schumann "studiert" dabei
in doppeltem Sinne einmal das damals neue Instrument Pedalflügel,
zum anderen sind es Kompositionsstudien streng auskomponierter Kanons.
Romantik pur auch bei der im gleichen Jahr, 1845, entstandenen Sonate
Nr. 1 d-moll des als Komponist wenig bekannten August Gottfried Ritter,
berühmter Domorganist in Merseburg. Streng genommen keine Sonate,
eher eine Fantasie in sechs kurzen, aber wirkungsvollen Sätzen, mit
sprühenden musikalischen Ideen, Doppelfugen und schmachtenden Andanteklängen
- ein unentdecktes Juwel der romantischen Orgelmusik. Ein wahres Schmuckstück
hatte sich Johannes Quack für den Schluss aufgehoben, mit einem erst
1933 in seinem Todesjahr komponierten und dennoch in den Grundzügen
romantisch klingenden "Rondo alla Campanella" in dem "einer
der letzten Romantiker", Siegfrid Karg-Elert, mit der Orgel verschiedenartige
Glockenklänge nachzubilden versucht - wie viele seiner Vorgänger
(man denke nur an "Carillon de Westminster" von Louis Verne.
Dem stilistisch vielseitigen und erst in jüngster Zeit wiederentdeckten
Komponisten gelingt dabei ein publikumswirksames, klangvolles Werk, bei
dem Johannes Quack die Kleuker-Orgel als "Glockengeläut"
aufblitzen lässt - Beifall der staunenden Orgelfans für eine
schwelgerische, romantische Orgelstunde eines "rheinischen"
Romantikers.
Herbert Kutscher
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