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Kleuker-Orgel taugt auch für bildhafte Tonmalerei
Berliner Star-Organist Lothar Knappe bewies es in der Marktkirche mit
Variationen zum Thema "Tanz, Bild, Raum und Zeit"
NEUWIED. "Tanz - Bild - Raum - Zeit" - unter diesem durchaus
abstrakten Motto stehen die "Sommerlichen Orgelkonzerte 2001"
in der Marktkirche, inspiriert und inszeniert von Kreiskantor Thomas Schmidt.
Diesmal saß der bekannte Berliner Organist Lothar Knappe an der
Kleuker-Orgel - und hatte einige zum Motto passende Orgelwerke im Gepäck.
Tänzerisch der Einstieg mit einem Intermezzo des zeitgenössischen
Kölner Orgelprofessors Wolfgang Stockmeier nach einem Bild von Joan
Mir": "Tänzerin hört Orgelmusik in einer gotischen
Kathedrale". Da die Musik, im Gegensatz zur Malerei, verschiedenartige
Motive kaum gleichzeitig zeigen kann, stellt Stockmeier in seinem interessanten
Werk die plastische Motivik der Tänzerin im mehrfachen Wechsel mit
der "Kathedral-Musik" dar.
Den Aspekt des "Tanzes auf der Orgel" beleuchtet Lothar Knappe
auch mit den Tanzartikulationen ("Ballo del Granduca") von Jan
Pieterszon Sweelinck und dem "Tanz der Schulamit" aus den "Vier
biblischen Tänzen" des tschechischen Komponisten Petr Eben:
"Tanze, tanze, Mädchen aus Schulam, dass wir dich sehen beim
Tanz". Auch in Lois Couperins "Allemande" und "Chaconne"
spielen stilisierte Tanzformen eine reizvolle Rolle.
Bildhaft Josef Rheinbergers hochromantische 3. Orgelsonate G-Dur, in
der die Bewegung der Manualstimmen an das Idiom der weihnachtlichen Hirtenmusiken
erinnert - daher folgerichtig die Bezeichnung "Pastoral-Sonate"
(Hirtenlied). In den liebevollen sechs kleinen Stücken für eine
Flötenuhr von Joseph Haydn - vordergründig von heiterem, auch
tänzerischem Charakter - klingt dennoch die vergehende Zeit, die
Vergänglichkeit an - fast schon ein kleiner Totentanz. Den setzt
Lothar Knappe an den Schluss seines sehr interessanten Programms, das
er mit großer Ernsthaftigkeit und meisterlichem Orgelspiel demonstriert,
als er nämlich die Toccata aus dem "Lübecker Totentanz"
aufklingen lässt. Den hat sein Lehrer Walter Kraft (bis 1972 Organist
an der Lübecker Marienkirche) im Anklang an einen alten Totentanz-Gemäldefries
der im Zweiten Weltkrieg stark beschädigten Marienkirche geschaffen.
Eine klangvolle Überraschung bieten die drei romantischen Tonstücke
nach Bildern von Arnold Böcklin, geschaffen von dem Reger-Schüler
und durch Kompositionen für Männerchor ("Tambursgesell")
bekannten Fritz Lubrich (1888-1971). Im übertragenen Sinne sind das
mit zarter Pastellkreide und Öl gestaltete Tonmalereien, wobei im
dritten Teil nach "Schweigen im Walde" und "Heiliger Hain"
in der "Toteninsel" ein altes Luther-Lied aufklingt: "Mitten
wir im Leben sind mit dem Tod umfangen".
Viel Beifall der getreuen Orgel-Gemeinde gab's für eine wirklich
hörenswerte Orgelstunde.
Herbert Kutscher
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