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Wenn sogar der Esel ein "Hallelu-i-a" anstimmt
Romantische Advents- und Weihnachtslieder bei Kerzenschein - Schütte
und Schmidt begeisterten im Gemeindehaus
NEUWIED.Einen wohltuend besinnlichen Ruhepunkt in der hektischen Betriebsamkeit
dieser Tage setzten der Bonner Bass-Bariton Ulrich Schütte und Kantor
Thomas Schmidt am Ibach-Flügel mit ihren nachmittäglichen Advents-
und Weihnachtsliedern bei Kerzenschein im Gemeindehaus an der Marktkirche
Neuwied - einem für diesen Zweck neuen, aber sehr geeigneten Konzertort.
Zwar stand der mottogebende Choral von Johann Sebastian Bach, "Ich
steh' an deiner Krippen hier" bei ausgewählten Liedern der Romantik
zwangsläufig nicht auf dem Programm. Doch Ulrich Schütte - er
war bereits bei Bachs "Johannespassion" und dem Mozart-Requiem
musikalischer Gast in der Marktkirche - war auf der Suche nach musikalischen
"Weihnachtsgefühlen" abseits des in diesen Wochen auf allen
Weihnachtsmärkten und in Kaufhäusern endlos abgespulten üblichen
weihnachtlichen Liedgutes auf zahlreiche kompositorische Kostbarkeiten
großer Komponisten gestoßen.
Diese brachte er mit schlichter Innigkeit und Ehrfurcht vor dem selbst
gestellten Thema, wo es angebracht war aber auch mit einer Brise innerer
Heiterkeit zum Vortrag. Sein angenehm warmer, bei Bedarf stets dynamisch
steigerungsfähiger Bass-Bariton, seine klare, unpathetische Stimmführung
und Aussprache prädestinieren Schütte geradezu für ein
solch diffiziles Programm und lassen die "Gratwanderung" zwischen
hoher Liedkunst und in manchen Liedern aufblitzender Gefühlswallung
ohne Probleme gelingen.
Dabei hat er sich durchaus schwierige "Lied-Brocken" ausgesucht,
etwa die beiden Hugo-Wolf-Lieder "Nun wandre, Maria" und "Ach,
des Knaben Augen", mit denen er gleich beginnt. Max Regers "Maria
am Rosenstrauch" und "Maria Wiegenlied" gehören ebenfalls
in diese Kategorie, auch die im zweiten Teil humorvoll vorgetragenen "Der
König aus Morgenland" und "Knecht Ruprecht" sind durchaus
keine "schlichten Weisen", wie Max Reger sie selbst bezeichnete.
"Die Hirten" und "Die Könige" von Peter Cornelius
singt Ulrich Schütte bewusst nicht in der bekannteren Zweitfassung,
sondern in der, wie man erkennen muss, eigentlich klangschöneren,
melodienseligen Frühfassung. Geradezu dramatisch "Die heiligen
drei Könige" des selten gesungenen Strauß-Zeitgenossen
Richard Trunk, und, wie sollte es beim Sohn Richard Wagners anders sein,
große melodische Spannungsbögen in Siegfried Wagners "Weihnacht
- Was soll das bedeuten".
Volkstümlicher im besten Sinne der Beginn des zweiten Teiles mit
klangvollen, dennoch schlichten Bearbeitungen bekannter Weihnachtslieder
von Taubert, Stolzenberg, Schmid und Röntgen und Edvard Griegs "Weihnachts-Wiegenlied".
In bester Straußscher Manier hat Richard Strauß das bekannte
"Schlaf wohl du Himmelsknabe du" vertont und Hermann Erdien
sein Winter-Wiegenlied "Schlaf ein".
Sein "Lieblingslied" hat sich Ulrich Schütte für
den Schluss aufgehoben, das humorvolle "Flucht nach Ägypten"
des Kölner "Lili-Marlen"-Komponisten Norbert Schultze,
bei dessen eingängiger Melodie sogar der viel beschworene Esel im
Wüstensand ein Esels-"Hallelu-i-a" anstimmen darf.
Zu einem Liederabend gehört adäquat ein hervorragender Pianist
und Begleiter; und da ist es einfach ein Genuss, Kantor Thomas Schmidt
am Flügel begleiten zu hören und auch zu sehen. Wie er sensibel
und mitfühlend die unterschiedlichen Stimmungen der einzelnen Lieder
auslotet, dem Solisten freundschaftlicher musikalischer Partner ist, ihm
unmerklich klangliche Stütze gibt auf der sich Ulrich Schütte
sichtlich wohlfühlt, das ist vorbildhafte Liedbegleitung, und, wie
alles, was Thomas Schmidt musikalisch anpackt, aus vollem Herzen gestaltet.
Dankbarer Beifall der recht zahlreichen Zuhörer, dem Ulrich Schütte
wie versprochen die spätere Fassung der Cornelius-Könige als
Zugabe folgen lässt - "schenk ihm dein Herz...."
Herbert Kutscher
Rhein-Zeitung Neuwied am 15.12.2003
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