Heidenspaß beim Heldenepos
Jungen und Mädchen führten das Kindermusical "Ritter Rost
und das Gespenst" im Werner-Heisenberg-Gymnasium auf
Eine kreative Koproduktion vieler Musikbegeisterter kam in Neuwied beim
Publikum an. Ritter Rost und Burgfräulein Bö bestanden im Gymnasium
witzige Abenteuer.
NEUWIED. Da behaupte noch mal einer, junge Leute hätten Angst vorm
Vorsingen. Im Neuwieder Werner-Heisenberg-Gymnasium war davon jedenfalls
nichts zu spüren, als Jungen und Mädchen nun Jörg Hilberts
Kindermusical "Ritter Rost und das Gespenst" aufführten:
Unterstützt von Kinderchören aus Waldbreitbach, der Marktkirche
Neuwied und der Musikschule "Klangwerk" legten die jungen Leute
los, dass es nur so eine Freude war.
Die Story des Musicals ist schnell umrissen: Es geht um Ritter Rost,
der mit Burgfräulein Bö zu einem Turnier aufbricht, auf dem
er durch allerlei Heldentaten sein angestaubtes Ritterpatent auffrischen
will. Währenddessen lernt Ritter Rosts daheim gebliebener Hausdrache
Koks ein Burggespenst kennen. Die beiden befreunden sich und stellen während
der Abwesenheit des Hausherren die gesamte Burg auf den Kopf. Am Ende
kommt es nach einem Showdown zwischen Held Rost und dem geheimnisvollen
schwarzen Ritter dann noch mal zu einer handfesten Überraschung.
Bei einfachen Handlungen wie dieser bietet sich natürlich eine kreative
Inszenierung an. Und da ließ sich das Ensemble unter der Leitung
von Dekanatskantor Peter Uhl und Kreiskantor Thomas Schmidt wahrlich nicht
lumpen. Die detailverliebten, aufwändigen Kulissen entführten
die zahlreichen Zuschauer in eine zerfallene Burgruine, inklusive des
obligatorischen, von der Decke hängenden Ungeziefers.
Hinreißend auch die fantasievollen Kostüme: Sämtliche
Charaktere wurden als eine merkwürdige Mischung aus Robotern und
Rittern dargestellt. Zu den witzigsten Einfällen gehörten beispielsweise
überdimensionale Helme, ein Nummernschild als Brustpanzer und ein
Papprohr als, nun ja, Auspuff. Hinzu kamen die vielen flotten choreografischen
Einlagen, die gekonnt von der Tanzgruppe "Die kleinen Strolche"
dargeboten wurden.
Bemerkenswert war neben den erstaunlichen schauspielerischen Leistungen
der Teilnehmer (entzückend etwa Esther Gerhard als Feuerdrache Koks
oder Jana Friedrich als Hofschreiber Ratzefummel) der unbekümmerte
Gesang: Trotz der teilweise für ein Kindermusical komplexen musikalischen
Untermalung war von Unsicherheit oder Lampenfieber bei den kleinen Sängern
kaum etwas zu spüren. Stattdessen hatten alle Beteiligten einfach
einen Heidenspaß an der ganzen Sache.
Das spürte auch das Publikum und feierte die jungen Schauspieler,
die sich am Ende verabschiedeten, wie es sich für waschechte Broadway-Stars
gehört: "Danke! Die Autogramme gibt's nachher!", sagten
sie und verschwanden.
Peter Bongard
Rhein-Zeitung Neuwied am 13.11.2003
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