|
Über das Konzert von Cappella Vocale
Neuwied am 29. Februar 2004 in der Marktkirche Neuwied schrieb
die Rhein-Zeitung am 4.3.2004:
Ein wahres Kleinod sakraler Chormusik
Kammerchor "Cappella Vocale Neuwied" intonierte Hauptmanns
Vokalmesse vorbildlich
NEUWIED. Nur wenige Tage vor dem großen Mendelssohn-Chor-
und Orchesterkonzert mit seinem Konzertchor Neuwied in der Marktkirche
präsentierte Kantor Thomas Schmidt, quasi zur Einstimmung,
in einem Kammerchorkonzert an gleicher Stelle mit dem Kammerchor
"Cappella Vocale Neuwied" ein weiteres seiner chormusikalischen
"Standbeine".
Als musikalische Aufgabenstellung für den mit 15 Sangerinnen
und Sängern vorbildlich rein und konzentriert singenden Chor
hatte Thomas Schmidt mit der Vokalmesse f-moll, op. 18, für
vier Solostimmen und gemischten Chor "a cappella" des
Leipziger Thomaskantors und Mendelssohn-Zeitgenossen Moritz Hauptmann
ein wenig bekanntes Kleinod sakraler Chormusik ausgesucht. Dieses
klangvolle, deutlich romantische Züge tragende Werk mit lateinischem
Messtext erklingt ohne die sonst bei Messen übliche Orchesterbegleitung
und spricht damit die erfreulich zahlreichen Zuhörer unmittelbar
über die klangliche Wirkung der Chorstimmen an.
Der sehr transparente, erstaunlich dichte, homogene Chorklang wird
noch dadurch verstärkt, dass Hauptmann die vier Solostimmen
in das chorische Geschehen einbindet, was Thomas Schmidt auch optisch
deutlich macht. Außer beim abschließenden Sanctus und
Agnus Dei stehen die Solisten nicht, wie üblich, vor dem Chor,
sondern in der Reihe der Sänger, womit sich die wohlgeformten
Solostimmen von Anita Reuter (Sopran), Andrea Seeberg (Alt), Arndt
Schumacher (Tenor) und Bernd Kämpf (Bass) sehr harmonisch in
das Gesamt-Klangbild der Vokalmesse einfügen.
Einem eindringlichen Kyrie folgt ein bis auf den fugierten Schluß
weitgehend akkordisch geführtes, klangschönes Gloria.
Das Credo ist dynamisch fein abgestimmt, das Sanctus mit einem im
Wechsel von Solisten und Chor intonierten Benedictus und das beschwörende
Agnus Dei mit einem weit verzweigten "Dona nobis pacem"-Ruf
runden das Vokalwerk harmonisch ausgeprägt ab.
Thomas Schmidt, der die dynamischen Chorbewegungen in seinem sängerführenden
und impulsgebenden Dirigat, bei dem man sich als Chorsänger
ganz einfach sicher und wohl fühlen muß, sichtbar vorlebt,
hat seinen Kammerchor in jeder Beziehung gut vorbereitet - ein kleiner,
aber klangfeiner Farbtupfer in der ausgeprägten Neuwieder Chorlandschaft.
Zwischen den Messteilen streut Thomas Schmidt an der Kleuker-Orgel
Orgelwerke von ebenfalls in Leipzig tätigen Komponisten ein.
Zum einen zwei Choralvorspiele aus op. 67 des großen Orgelmeisters
Max Reger, das voll klingende "Werde munter mein Gemüte"
und das zarte "Seelenbräutigam", von Thomas Schmidt
in changierenden Klangfarben gemalt. Zum anderen die bekannte Orgelsonate
A-Dur "Aus tiefer Not schrei ich zu dir" von Felix Mendelssohn
mit ihrer romantisch aufblühenden Klangpracht im ersten Satz
und dem innigen Andante tranquillo. Viel verdienter Beifall für
diese stimmungsvolle Konzertstunde in der Neuwieder Marktkirche
- und bereits Vorfreude auf Freitag und Mendelssohns "Lobgesang".
Herbert Kutscher
|