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Orffs Meisterwerk eröffnete die Konzertsaison 2000

"Carmina Burana" zum Auftakt der städtischen Konzerte: Drei Neuwieder Chöre, Bonner Orchester und hochkarätige Solisten

NEUWIED. Als Auftakt zur städtischen Konzertreihe erwartete die Musikfreunde im Heimathaus ein besonderer Ohrenschmaus: Unter Leitung von Kreiskantor Thomas Schmidt erlebten fast 500 Konzertgäste zunächst die "Polowetzer Tänze" von Alexander Borodin und dann Orffs großes Werk, die Carmina Burana.

Die Mitglieder des Akademischen Orchesters Bonn, dirigiert von Thomas Schmidt, begannen einfühlsam, verhalten und mit leisen Klängen, steigerten sich aber schließlich zu einem temperamentvollen Finale. Borodins "Polowetzer Tänze" stammen aus der Oper "Fürst Igor" und entstanden Mitte des 19. Jahrhunderts.

Aus dem 13. Jahrhundert

Dann wurde es eng auf der Bühne des Heimathauses. Denn neben dem hervorragenden Bonner Orchester traten nun auch der Kinderchor "Crescendo", der Neuwieder Jugendchor "Vivace" und die Chorgemeinschaft Neuwied ins Rampenlicht.



Orffs Carmina Burana besteht eigentlich aus einer Sammlung von etwa 300 Texten und Gedichten aus der "Benediktbeurer Handschrift", einer wertvollen Textsammlung aus dem 13. Jahrhundert in lateinischer, altdeutscher und französischer Sprache. Carl Orff hatte diese Schriften entdeckt und auf ihrer Grundlage sein berühmtestes Werk geschaffen. 

Unterstützt wurden die Chöre und das Orchester durch hervorragende Solisten: Stephanie Stiller (Sopran), Christfried Biebrach (Bariton) und Harald Stockfleth (Tenor). Den ewigen Wechsel von Glück und Unglück, den Kreislauf von Aufstieg und Niedergang vertonte Orff mit sparsamen aber wirkungsvollen Mitteln. Im Mittelteil singt der Bariton als Pseudo-Abt vom Orden der Würfelspieler ein humorvolles Trinklied.

Ungewöhnlich auch die Aufgabe des Tenors: Er soll mit parodistischen Mitteln die Nöte eines in der Pfanne schmorenden Schwanes (in alten Zeiten eine Delikatesse) schildern - was ihm eindrucksvoll gelang. Überzeugend auch die Leistung der Sopranistin. Sie meisterte die verlangten Tiefen ebenso wie die Tücken der extremen Höhen, die Orff für ihren Part vorgesehen hat. 

Mitreißend das Dirigat von Thomas Schmidt. Emotional, einfühlsam aber auch enthusiastisch feuerte er die Aktiven zu Höchstleistungen an. Und der Funke sprang über - auch aufs Publikum. Die Chöre fügten sich harmonisch ins Gesamtwerk ein. Angesichts der schlechten Akustik im Heimathaus ging die sehr gute Chorleistung leider ein wenig unter - vor allem an jenen Stellen, die vom Orchester starken Einsatz verlangten. Der Gesamtleistung tat das jedoch keinen Abbruch.

Das begeisterte Publikum belohnte die großartige Aufführung mit lang anhaltendem Beifall - ein durchweg gelungener Auftakt zur städtischen Konzertreihe 2000/2001. Uwe Oster


Rhein-Zeitung, Lokalausgabe Neuwied am 21.11.2000

 

Letzte Aktualisierung: 25.05.2001

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