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Paolo Oreni






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Pressebericht vom Konzert "Virutose Orgelmusik"
am 8. September 2005

"Orgel-Turbo" löst Tasten- und Pedalsturm aus

Italiener Paolo Oreni eröffnet Konzertreihe in der Marktkirche mit einem furiosen Parforceritt durch die Musikgeschichte

NEUWIED. Ein Kritiker schrieb über ihn einmal, er verwandle die Orgel "in einen Turbo", einen, bei dem Manuale und Pedale mit atemberaubender Geschwindigkeit traktiert werden. Genau dieses "Turbofeeling" stellt sich auch beim Eröffnungskonzert der "Sommerlichen Orgelmusiken" ein, wenn Paolo Oreni, im italienischen Treviglio geboren, gerade einmal 26 Jahre alt und sicher einer der bemerkenswertesten Organisten seiner Generation, auf der Kleuker-Orgel der Marktkirche spielt.

Die dürfte selten so zu hören gewesen sein wie an diesem Abend. Oreni entlockt ihr in nie ermüdendem Tasten- und Pedalsturm, im schnellen Registerwechsel reizvolle, gar befremdliche Klangwirkungen, etwa in Marcel Duprés bedrängender, nur selten durch "französische" Weichheit abgemildeter Evokation op. 37 - eines der wenigen Werke dieses Abends, das wirklich für die Orgel komponiert wurde.

Auch das hat Oreni seinem Lehrmeister Jean Guillou, Komponist und Herr über die Orgeln von St. Eustache in Paris, abgeschaut: die grenzüberschreitende Ausweitung des Repertoires, die vor Kammermusikalischem und selbst Sinfonischem nicht Halt macht. Grenzüberschreitung, die möglich wird durch ausgefeilte, raffinierte, alle Möglichkeiten des Instruments ausschöpfende, traumwandlerisch beherrschte Spieltechnik. Was sollte dann das Gespann Guillou (als Bearbeiter) und Oreni davon abhalten, Mozarts für Streichorchester konzipiertes Adagio und Fuge c-Moll KV 546 für die Orgel umzuformen, um so weniger, als doch die vierstimmige Fuge ohnehin zunächst für zwei Klaviere gedacht war?

Oreni entfaltet daraus resultierende kontrapunktische, thematisch noch geschürte Kraft nachhaltig, nimmt umgekehrt Bachs Triosonate Nr. 6 in G-Dur BWV 530 jegliche Strenge und Steifheit. Und er verleiht ihr, insbesondere in den schnellen Ecksätzen, fast Mozartsches Flair.

Das alles aber ist eine quasi noch vergleichsweise verhaltene Fingerübung, Aufwärmtraining für die Guillousche Orgelversion von Liszts Symphonischer Dichtung "Prometheus", in der sich Virtuosität ungehemmt brachialisch Bahn brechen darf, die Orgel ohne Probleme die Opulenz des Lisztschen Orchesters nachvollzieht. Da wüten und wirbeln Hände und Füße, entfesselt, wie der Prometheus des die literarische Vorlage für Liszts Komposition liefernden Herder.

Trotzdem wirkt bei Oreni nichts aufgesetzt, wird Virtuosität nicht zur bloßen Akrobatik, überzeugt schlicht und erst recht in Sergej Prokofjews "maschinalem" op. 11, der Toccata, die zur Selbstverständlichkeit gewordene Mühelosigkeit der Bewegungsabläufe, teuflischer noch hier als auf dem Klavier in einem einzigen, ununterbrochenen Gleiten und Hämmern. Nachzuvollziehen. Ein musikalischer Parforceritt, den Oreni bei seiner Improvisation über vom Publikum gewünschte Themen fortsetzt und gar noch forciert. Dabei wird erst recht eine Musikalität spürbar, die den passenden Hochleistungsreibstoff für diesen italienischen Orgel-Turbo liefert.

Lieselotte Sauer-Kaulbach

Die weiteren Konzerte der Reihe finden am 15., 22. und 29. September, jeweils um 20 Uhr, in der Marktkirche statt.

Rhein-Zeitung, 12.9.2005




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