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Und das schrieb am 1.3.2005 die Rhein-Zeitung zur Aufführung der Matthäus-Passion:

 

"Matthäus-Passion" berührte Publikum

Ergreifende Aufführung vom Kammerchor Neuwied unter Dirigent Bernd Kämpf in der Marktkirche

NEUWIED Auf Großstadt-Niveau bewegte sich die von Bernd Kämpf in der voll besetzten Neuwieder Marktkirche als städtisches Konzert zur Aufführung gebrachte "Matthäus-Passion" von Johann Sebastian Bach. Das begeisterte Publikum bedankte sich mit Standing ovations .

Garanten dieses Aufführungserfolges eines der schwierigsten Werke der Musikliteratur sind ausnahmslos die musikalischen Protagonisten. Als Orchester fungiert die makellos spielende Accademia filarmonica Köln (Konzertmeisterin Gabriele Nußberger) auf ihren barocken Instrumenten. Dieses instrumentale Klangbild hatte Bach wahrscheinlich bei seinen für die damalige Zeit revolutionären Leipziger Aufführungen selbst erlebt.

Allerdings dürfte er sein eigenes Werk in dieser musikalischen Qualität mit Orchester, Chor und Solisten wohl nie gehört haben. Musikalischer Kumulationspunkt des mehr als dreistündigen Passionsgeschehens, in dem sein Kammerchor Neuwied wie immer einen absolut verlässlichen und hochmusikalisch singenden Faktor darstellt, ist einmal mehr Bernd Kämpf mit seinem ruhigen, gleichzeitig nach allen Seiten impulsgebenden Dirigat.

Der doppelchörig aufgestellte Kammerchor singt sehr gepflegt und bachgerecht die wunderbaren Choräle, ist aber auch böses, lästerndes Volk ("Lass ihn kreuzigen") und packt stimmlich energisch zu - "Eröffne den feurigen Abgrund, o Hölle". Im ersten Teil sind die Kinderchöre Heilig Kreuz und Melsbach/Altwied (Einstudierung Sabine Paganetti) geschickt in das Chorgeschehen eingebunden. Aus dem Chor heraus hat Bernd Kämpf verschiedene Solo-Einwürfe besetzt (Sabine Paganetti Pilati Weib, Kristina Maier und Sandra Mehren Ancilla l und 2, Gregor Dippel und Matthias Zimmermann Testis l und 2, Jörg Rasbach Judas und Sebastian Kämpf Hoherpriester). Wieder besonders zu erwähnen der junge Bassist Christian Palberg, dem Bernd Kämpf den Petrus und Pilatus übertragen hat. Er geht mit Mut und Stimmkraft die Bass-Arie "Gerne will ich mich bequemen" an (direkt hinter Weltstar Franz-Josef Selig singend) - immer wieder erstaunlich, wie Christian Palberg die ihm gestellten Aufgaben meistert. Bernd Kämpf, der bei zwei Soloarien sein Dirigat sogar ruhen lässt, singt selbst die Bass-Arie "Gebt mir meinen Jesum wieder".

Vom stimmlich Feinsten ist auch das ausgesuchte Solistenquartett. Hierbei ist es ein Hörerlebnis der besonderen Art, wie ergreifend und mit nobler Stimmgewalt der gebürtige Neuwieder Bassist Franz-Josef Selig die Partie des Jesus gestaltet. Selig ist nach längerer Zeit wieder einmal zu Gast in seiner Heimatstadt und mittlerweile in allen großen Opernhäusern und Konzertsälen der Welt zu Hause. Dazu hat ihm Bernd Kämpf sehr zur Freude des Publikums, darunter natürlich viele Selig-Fans, die zwei großen Bass-Arien "Komm süßes Kreuz" und "Mache dich mein Herze rein" übertragen - ein Genuß.

Der Neuwieder "Lokalmatador" Axel E. Hoffmann hat als Evangelist und Interpret der Tenor-Arien eine fast einstündige Mammutaufgabe zu bewältigen, mit der von ihm gewohnten tenoralen Stimmkultur und Strahlkraft. Er trägt mit seinen Rezitativen des dramatischen Evangeliengeschehens den musikalischen Spannungsbogen der Passion, verlässt aber auch mehrfach die reine Rezitativ-Form, und erzeugt so beim Schildern der Petrus-Verleugnung ("und weinete bitterlich") Gänsehaut beim Publikum.

Die erfahrene Leipziger Altistin Elvira Dreßen setzt in ihren Alt-Arien ("Buß und Reu", "Erbarme dich, mein Gott") genauso stimmliche Glanzpunkte wie die gefragte und weitgereiste Sopranistin Monika Frimmer, die in Neuwied unter anderem die Arie "Aus Liebe will mein Heiland sterben" schön verinnerlicht gestaltet.

Musikalische Glücksmomente also zuhauf in dieser ergreifenden Neuwieder "Matthäus-Passion" von Johann Sebastian Bach, sicher einer der konzertanten Höhepunkt in diesem Jahr, in dem die Musikwelt an den 320. Geburtstag des Musikgenies denkt. Und ein weiterer Beweis dafür, dass Neuwied durchaus nicht zur musikalischen Provinz gehört.

Herbert Kutscher




Letzte Aktualisierung: 30.12.2005 *  © Musik in der Marktkirche Neuwied 1997 - 2005
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