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Pressebericht vom Konzert "Orgel und Raum" am 11. September
2003
Ein Konzert zum Hören, Schauen und Nachdenken
Musikalisch-architektonische Rundreise durch die Marktkirche mit Pfarrer
Werner Zupp und Kantor Thomas Schmidt
NEUWIED. Mit dem zweiten Konzert des diesjährigen spätsommerlichen
Orgel-Festivals in der Neuwieder-Marktkirche unter dem Motto "Orgel
und Raum - Betrachtungen und Musik zu den architektonischen Elementen
der Marktkirche" zeigten Pfarrer Werner Zupp als Lektor und Kantor
Thomas Schmidt an der Kleuker-Orgel, wie Raum und Musik sich gegenseitig
durchdringen, ergänzen, welchen "Assoziationen im Raum der Marktkirche
bei Orgelklängen nachgespürt werden kann".
In diesem Zusammenhang zitierte Werner Zupp gleich zu Beginn den berühmten
Schopenhauer-Satz von der "Architektur als gefrorener Musik",
um ihn gleichzeitig zu relativieren:"Musik ist etwas Warmes, Fließendes."
Und doch - zu jedem von Werner Zupp dezent angesprochenen und jeweils
angestrahlten architektonischen Detail der erst 120 Jahre alten Marktkirche
hatte "Findefuchs" Thomas Schmidt ein passendes Orgelwerk bereit.
Wenn Werner Zupp zu Beginn von den in den Bögen verwandten "gotischen
Elementen" spricht, erklingt das Menuett aus der "Suite gothique"
von Leon Boellmann, zum wieder freigelegten Engel-Fresko von Karl Andre
spielt Thomas Schmidt das Choralvorspiel "Seelenbräutigam"
von Max Reger. Folgerichtig erklingt beim Blick auf die Säulen aus
blankem Granit das Choralvorspiel "Die Kirche steht gegründet"
des zeitgenössischen Komponisten Gunter Martin Göttsche und
beim Betrachten der Grabplatte für den Stadtgründer Friedrich
Graf zu Wied die Choralpartita "Alle Menschen müssen sterben"
von Johann Pachelbel. "Wachet auf, ruft uns die Stimme" aus
den Schübler-Chorälen von Johann Sebastian Bach, bei dem die
Choralmelodie markant im "cantus firmus" aufklingt, ist die
musikalische Assoziation beim Blick auf die Kanzel mit den vier geschnitzten
Evangelisten und das Choralvorspiel "Christ, unser Herr, zum Jordan
kam" untermalt den Blick auf die l958 wieder aufgefundene Taufschale
der Marktkirche.
Dann wird die Kanzelfigur des Jesusangestrahlt und von Werner Zupp gedeutet,
dazu die Choralvariationen "Sei gegrüßet, Jesu gütig"
von Johann Sebastian Bach. Zum Schluss lenkt Werner Zupp die Blicke der
Zuhörer auf den Altar der Marktkirche mit der alten Bibel von 1884,
dazu von Thomas Schmidt das Choralvorspiel "Gott sei gelobet und
gebenedeiet" von Gunter Martin Göttsche, und auf das große,
mit Gold ausgelegte Holzkreuz - Thomas Schmidt spielt dazu die "Litanies"
aus den "Trois pieces pour Grand Orgue" von Jehan Alain.
So endet die architektonisch-musikalische Rundreise durch die Marktkirche
am Kreuz, nicht als "Symbol des Endes", wie Werner Zupp betont,
"sondern des Anfangs, der Auferstehung". Ein sehr verinnerlichtes
Konzert in Wort und Musik zum Schauen, Hören, Nachdenken - und einmal
mehr der Beweis für immer neue konzertante Ideen und Mottokonzerte
von Kantor Thomas Schmidt, diesmal in kongenialer Zusammenarbeit mit seinem
Musik liebenden Pfarrer.
Herbert Kutscher
Rhein-Zeitung, 19.9.2003
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