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Presse-Bericht vom Konzert "R.I.T.U.A.L.E. III" am 21. Juni
2003
Avantgarde in der Kirche:
Klangnacht mit Ritualen
Perkussionisten und Obertonsänger formten audio-visuellen Kosmos
in der Marktkirche - Asiatische Einflüsse
NEUWIED. Ritual: Ein Begriff für ein Vorgehen nach bestimmten Regeln.
Doch nicht immer trifft diese Definition zu. Dann nämlich, wenn Markus
Hauke, einer der wohl vielseitigsten deutschen Perkussionisten, zu einer
Klangnacht in die Marktkirche einlädt.
In Schwarz gekleidete Männer, Frauen und Kinder gehen langsam auf
den Altar der Marktkirche zu. Jeder Schritt wird begleitet vom Klang metallener
Perkussionsinstrumente. Dann eine kurze Pause. Plötzlich ein Donnergrollen
von der Empore, Glockenklang, Gongs und weiteres Schlagwerk erklingen,
vermischen sich mit Obertongesang und Instrumenten verschiedener Kulturräume
zu einer Einheit aus diversen Tönen, zur "Weltsprache"
Musik.
Ein besonderes Klangspiel, das viele Menschen nur aus Fernsehberichten
und Hörfunkreportagen über Asien kennen.Doch was so fern scheint,
ist in diesem Moment so nah. Denn der Auftakt zur Perkussion-Performance
findet im Herzen von Neuwied statt, ist Bestandteil des rheinland-pfälzischen
Kultursommers. Arrangiert und organisiert hat das Spektakel der international
bekannte Musiker Markus Hauke. Er ist der Gründer und Leiter des
"Percussion-Ensemble" aus Mainz.
Und diese jungen Musiker bestimmten am späten Samstagabend den Auftakt
der Klangnacht. "Diese Veranstaltung ist ein interessanter Versuch,
in einer traditionellen Kirche einmal etwas anderes anzubieten",
sagt Iris Kofolder vom Verein Kultursommer Rheinland-Pfalz. "Hier
treffen Elemente musikalischer Rituale, Tradition und moderne Medientechnik,
sakraler Raum und avantgardistische Komposition aufeinander."
Auch Hauke spricht von einem Test, von einer ungewöhnlichen Kombination.
"Wir versuchen die Einzigartigkeit der asiatischen Instrumente und
Musik in einer westlichen Kirche zu vermitteln." Außerdem kenne
er kaum eine Veranstaltung, bei der die künstlerischen Sparten Perkussion,
Stimme, insbesondere dem Obertongesang, Instrument und Bewegung aufeinandertreffen
würden.
Und genau diese Mischung war es, die in der Marktkirche eine besondere
Stimmung bei den leider nur wenigen Besuchern hervorrief. Fließend
vermischten sich alle vier Bereiche zu einem audio-visuellen Gesamtbild.
Dabei kam allerdings keine Melodie zum Tragen. Binnen 80 Minuten "bauten"
die Musiker einen meditativen Klangkosmos, bestehend aus östlichen
und westlichen Einflüssen. "Man sieht, dass ein Ritual auch
ein weit gefasstes Thema sein kann", betonte "Ober-Perkussionist"
Markus Hauke abschließend.(pdz)
Rhein-Zeitung Neuwied 23.6.2003
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