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Trompetenvirtuose bescherte Hörgenuss
Ludwig Güttler und Kammerorchester "Virtuosi Saxoniae"
spielten in der prall gefüllten Marktkirche
NEUWIED. Als "Primus inter pares" (Erster unter Gleichen) erwies
sich Trompeter-As Ludwig Güttler beim Gastspiel in der mit Güttler-Fans
aus Nah und Fern prall gefüllten Neuwieder Marktkirche. Diesmal war
er angereist mit dem 1985 von ihm gegründeten Kammerorchester "Virtuosi
Saxoniae", ein hochkarätiges Solistenensemble, durchsetzt mit
führenden Mitgliedern der Sächsischen Staatskapelle Dresden.
Dabei machte sich Ludwig Güttler, der nach eigenem Bekunden im Jahr
mehr als 100 Konzerte gibt, im Konzertprogramm durchaus etwas rar, packte
nur einmal, mit Ausnahme der Zugabe, seine hohe b-Trompete aus - auf die
die Leute eigentlich warten. Dies tat er allerdings mit gewohnter Bravour,
bei der einleitenden Ouvertürensuite C-Dur für Trompete, Streicher
und Basso continuo des wenig bekannten Bach-Zeitgenossen Theodor Schwartzkopff,
ein sehr schön klingendes Werk, ein musikalisches Bonbon zur Konzerteröffnung.
Strahlend klang Güttlers Trompete, spielerisch leicht setzt er die
Töne und Läufe an, gibt gleichzeitig kurze präzise Orchestereinsätze.
Ganz dem Dirigat widmete sich Ludwig Güttler dann im zweiten Werk
des Abends, dem fein ausmusizierten Doppelkonzert d-moll für Oboe
(Andreas Lorenz) und Violine (Roland Straumer, Konzertmeister der Sächsischen
Staatskapelle), Streicher und Basso continuo von Johann Sebastian Bach,
bei dem die Orchestermusiker auf den schön ausschwingenden Dirigierbewegungen
Güttlers mitschwangen.
Eine fast beruhigende, "salzburgische" Wirkung geht von Leopold
Corns Mozarts Sinfonia da camera D-Dur für Corno da caccia, Violine,
Streicher und b.c. aus, bei der Ludwig Güttler die klanglichen Möglichkeiten
des von ihm wieder neu belebten weich klingenden Blasinstrumentes voll
auskostete. Da konnte ihn auch ein plötzlich hängendes Ventil
in den ersten Takten des Allegro-Schlusssatzes nicht aus der Ruhe bringen
- "ein technisches Problem, muss repariert werden". Nach kurzer
Unterbrechung ging es ungerührt weiter, in die "Allegro-Triller"
hinein.
Auch ohne ihr "Zugpferd" zeigten die sächsischen Virtuosen
bei zwei Werken nach der Pause ihre hohe kammermusikalische Ausdruckskraft,
ein fein aufeinander abgestimmtes, harmonisches Ensemble, das einfach
vorzügliche Kammermusik macht und bei dem im Quintett des Bach-Sohnes
Johann Christian, einem der Höhepunkte des Abends, die von Silke
Uhlig gespielte Querflöte und das "konzertierende Cembalo"
des alten Orgel-und Cembalo-Fuchses Friedrich Kircheis sich "umgarnten"
und die Akzente setzten. Italienisches Flair dann bei der Sinfonia D-Dur
für Streicher und b. c. von Giuseppe Tartini.
Seine "stille Liebe" für das Corno da caccia zeigte Ludwig
Güttler dann noch einmal im abschließenden Brandenburgischen
Konzert Nr. 2 F-Dur von Johann Sebastian Bach, das in der etwas ungewohnten
Leipziger Fassung erklang - eben für Corno da caccia anstelle der
üblichen Trompete. Ein bekanntes Werk in wenig bekannter Fassung
mit "hörnerlosem", von Güttler ausdirigiertem Andante-Mittelsatz
- einfach schön gespielte ins Ohr gehende barocke Kammermusik, langer
Beifall und zwei Zugaben. Und zur zweiten packte Ludwig Güttler dann,
sehr zum Wohlgefallen des Publikums, noch einmal seine Trompete aus -
ein wirkliches Erlebnis, ein Hörgenuss.
Herbert Kutscher
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