Ein tönendes Denkmal für die
"Macht der Musik"
Kantor Karsten Lüdtke führte in der Marktkirche gemeinsam mit
der Accademia Filarmonica Köln seltenes Händel-Oratorium auf
NEUWIED. Mit dem Händel-Oratorium "Alexander's feast or the
power of music" (Das Alexanderfest oder die Macht der Musik) hatte
Karsten Lüdtke, der Kantor der Feldkirche, sich und seiner Kantorei
beim städtischen Konzert in der gut besuchten Marktkirche in mehrfacher
Hinsicht eine ungewöhnliche Aufgabe gestellt: Zum einen entdeckte
er sein Herz für dieses ganz selten aufgeführte und kaum in
den Discographien vertretene Händel-Werk. Zum anderen brachte er
es dann auch - konsequenterweise - in der vom "Wahl-Londoner"
Georg Friedrich Händel verwendeten englischen Originalsprache zur
Aufführung und besetzte es ebenso folgerichtig mit dem Orchester
der "Accademia Filharmonica Köln", das auf barocken Instrumenten
spielt.
Das auf einer Ode des englischen Dichters Dryden zum Cäcilienfest
1697 basierende Werk, von Händel in drei Januarwochen 1736 komponiert,
ist im Handlungsfaden nicht so leicht zugänglich - zumal die Verständlichkeit
des Werkes für die Zuhörer noch dadurch erschwert wurde, dass
längere Textpassagen mit der deutschen Übersetzung im Programmheft
fehlten. Dabei hat Händel ein klangschönes Werk geschrieben,
mit üppigen, fast sphärischen Passagen, und damit der "Macht
der Musik" ein tönendes Denkmal gesetzt.
Die Heilige Cäcilia, Schutzpatronin der Kirchenmusik, taucht erst
gegen Ende des Werkes glanzvoll auf ("Dann kam Cäcilien engelgleich,
erschuf der Sangkunst neues Reich"), nachdem der Sänger Timotheus
am Hofe Alexanders bei der Siegesfeier über die Perser mit seiner
Gesangskunst die gesamte Festgesellschaft inklusive Königspaar Alexander
und Gemahlin Thais in die unterschiedlichsten Gemütsstimmungen versetzt
hat.
Die unter Mitwirkung des Capellchores der Feldkirche und weiteren Verstärkungen
singende Kantorei der Feldkirche spürte diesen Stimmungen unter dem
umsichtigen Dirigat von Karsten Lüdtke effektvoll nach. Der Chor
sang duftig, mit schönem Gesamtchorklang, in den sich auch die zahlenmäßig
unterlegenen Männerstimmen tapfer einfügten. Mit starkem Volumen
und klarer Diktion agierten die Solisten, bei denen Tenor Andreas Post
(Essen) und die schön geführte Sopranstimme der gebürtigen
Schwedin Cecilia Nanneson den Hauptpart der Aufführung trugen. Bernd
Kämpf, der bei den eingestreuten Orgelkonzerten kollegial ans Cembalo
wechselte, setzte seine bekannt gepflegte Bassstimme in den wenigen Solo-Einsätzen
imposant ein. Geradezu stiefmütterlich behandelt Händel die
Altpartie: Ein kurzer Tutti-Einsatz im Eingangs- und Schlusschor - das
war's schon. Und dafür hatte sich die am Staatstheater Wiesbaden
engagierte Uta Georg eigens nach Neuwied bemüht.
Eine wichtige Rolle kam dem hoch dekorierten Orga~nisten Willi Kronenberg
zu, der am Cembalo wirkte und in den beiden Händel'schen Orgelkonzerten,
die Karsten Lüdtke entsprechend der Uraufführung des Werkes
in das Oratorium einfügte, ans Orgelpositiv wechselte. Die Kölner
Accademia Filarmonica mit Konzertmeisterin Gabriele Nußberger unterlegte
einen barocken Klangteppich, bei dem im zweiten Teil auch Pauken und Trompeten
dazukamen - die Trompeten agierten zuvor mit überraschendem Klangeffekt
von der Empore.
Zum Schluss des mehr als zweistündigen Werkes anerkennender Beifall
für die sicher mühevolle Einstudierung des doch überwiegend
optimistisch gestimmten Werkes. So wie es im Eingangschor anklang: "Happy
pair - glückliches Paar"
Herbert Kutscher
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