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Chor sang für Hospize

Sechzig Sänger zu einem Projektchor vereint - gemeinsam mit 500 Chören in aller Welt waren sie die "BT Voices for Hospices" der globalen Aktion zum Welthospiztag. Allein 40 Konzerte gingen in Deutschland über die Bühne und warben so für die Ziele der Hospizbewegung. Der Neuwieder Hospizverein beteiligte sich erstmals an der Aktion, die regelmäßig im Abstand von drei Jahren stattfindet. 

Am Samstag feierte man rund um den Globus den Welt-Hospiztag. Mehr als 500 Konzerte auf allen Kontinenten sollten Menschen für die Ziele der Hospizbewegung gewinnen. 40 Veranstaltungen fanden in Deutschland statt, eine davon in der Neuwieder Marktkirche.

Von Bastian Pollmann

NEUWIED. Wir sind die "Voices", die Stimmen einer weltweiten Bewegung. Das Neuwieder Häuflein der singenden Sechzig ist nicht der einzige Chor in diesem Stimmengewirr, natürlich nicht. Es gibt Hunderte auf der ganzen Welt, die heute teilhaben am Tag der Hospizbewegung.

Für uns wird es indes noch dauern, bis wir unseren Beitrag leisten dürfen zum globalen Konzertprogramm. Vor das Singen hat der Herr die Proben gesetzt. Der Herr, das ist heute Thomas Schmidt, Kreiskantor und musikalischer Chef der evangelischen Marktkirchengemeinde. Vier Stunden und dreißig Minuten sind es noch bis zum Konzert, als fünf Tenöre, wenig mehr Bässe, dafür rund zwanzig Alte und nochmals so viele Soprane einen ersten Blick in die Noten tun: "Gott ist mein Hirte", der 23. Psalm, vertont von Franz Schubert also. Später noch einiges mehr.

"Wer kennt das Stück?" fragt Schmidt. Einige haben es tatsächlich schon mal gesungen, die anderen schauen ein wenig skeptisch in die Noten. Trotzdem: "kein Problem". Die meisten sind erfahrene Sänger. So wie Doris Krekel. Seit mehr als 40 Jahren singt sie in verschiedenen Chören. "Da hat man eine gewisse Erfahrung", sagt sie, "und lässt sich nicht mehr so leicht irre machen." Was Chorprojekte wie dieses betrifft - auch damit hat Doris Krekel Erfahrung, Lampenfieber kennt sie nicht.

Neunzig Minuten später wissen die Sänger, wie mit einer enharmonischen Verwechslung umzugehen ist ("Singen sie einfach auf dem gleichen Ton weiter.") und haben gelernt, dass Dirigenten bei der Beschreibung der Färbung von Vokalen gelegentlich im Wortschatz von Zimmerleuten wildern ("Denken Sie sich ihre Oberlippe beim "i" als Dach über dem Mund. Dann wird der Vokal augenblicklich eine Spur dunkler.")

"Halleluja". Eben dies, das berühmte Händel'sche Halleluja soll den Abschluss aller Konzerte bilden. Allein in Deutschland wird es vierzig Mal an diesem Abend erklingen. Der Neuwieder Hospizverein beteiligt sich erstmals an der Aktion zum Welt-Hospiztag. Dr. Ingrid Stollhof erklärt die Ziele des Vereins und der weltweiten Bewegung. Es geht um humanes Sterben, darum, "in angemessener Weise Anteilnahme zu zeigen, das Sterben nicht als Randerscheinung des Lebens zu begreifen, sondern als dessen Teil. Zur Würde des Lebens gehört auch die Würde des Sterbens."

Für Chor und Musiker - ein Streichensemble, die Flötistin Ute Wehr-Brubach und Lukas Stollhof an der Orgel - wird es nun ernst. Die Konzerte in Neuseeland, Australien und Japan sind bereits vorüber, als in Neuwied und anderswo im Land der erste Ton erklingt. Die Anfangszeiten hat das Organisationskomitee in England einheitlich festgelegt, ebenso das letzte Stück, eben Händels Jubelhymne.

Zwei Stunden später ist auch in Neuwied das Konzert zum Welt-Hospiztag verklungen. Thomas Schmidt ist erleichtert: "Hat doch prima geklappt, umso mehr, wenn man die kurze Probenzeit berücksichtigt." Musikalische Vollendung war heute ohnehin nicht das höchste Gut. Friedhelm Orfgen, einer der fünf Tenöre, bringt es für alle auf den Punkt: "Ich singe mit, natürlich weil ich Spaß an der Musik habe, vor allem aber der guten Sache wegen."

 

 



Letzte Aktualisierung: 30.12.2005 *  © Musik in der Marktkirche Neuwied 1997 - 2005
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